Verbraucherschützer kritisieren Microsoft
Der Windows 7-Schnäppchenaktion droht ein juristische Nachspiel
Microsoft droht aufgrund der jüngsten Vorverkaufsaktion für Windows 7 richtig Ärger. Verbraucherschützer kritisieren das Software-Unternehmen scharf: Das Schnäppchen-Windows hätte nicht innerhalb weniger Minuten ausverkauft sein dürfen. Eventuell verstieß Microsoft mit Windows 7 für 50 Euro sogar gegen geltendes Wettbewerbsrecht.
Mit einer ungewöhnlichen Vorverkaufsaktion heizte Microsoft die Promotion für Windows 7 mächtig an. Der Vista-Nachfolger wurde in begrenzter Anzahl für knapp 50 Euro angeboten. Doch die meisten Windows-Fans gingen leer aus und waren verärgert. Mittlerweile schalteten sich Verbraucherschützer ein und kritisierten die Schnäppchen-Aktion von Microsoft, wie das Internet-Magazin Netzwelt.de berichtet. Kerstin Hoppe, Referentin und Juristin der Verbraucherzentrale Bundesverband, forderte, dass ein Hersteller die beworbene Ware "hinreichend bevorraten" müsse.
Es gibt juristischen Spielraum
Hoppe wies darauf hin, dass es "selbstverständlich nicht richtig" sei, dass ein massiv beworbenes Produkt bereits nach wenigen Minuten ausverkauft sei. Der Juristin zufolge müssten solche Produkte mindestens drei Stunden verfügbar sein - Sonderangebote sogar mindestens zwei Tage. Diese Zeitspannen unterschritt Microsoft deutlich. So könnte der Software-Riese mit dem Vorverkauf von Windows 7 gegen das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) verstoßen haben. Allerdings gibt es einen juristischen Spielraum, wenn triftige Gründe vorliegen, die eine geringere Bevorratung rechtfertigen - so das Gesetz. Microsoft hatte allerdings vor einer zeitlichen Beschränkung gewarnt, was gegen das Fehlverhalten des Konzerns spreche.
Microsoft könnte Aktion wiederholen
Juristische Schritte hat der Verbraucherzentrale Bundesverband gegen Microsoft bislang nicht. Eingehend geprüft wird die Sachlage allerdings erst dann, wenn bei der Verbraucherzentrale Beschwerden von Kunden eingehen, die sich durch die Vorverkaufsaktion getäuscht fühlen. Das ist bisher jedoch noch nicht der Fall. Um ein juristisches Nachspiel zu vermeiden, könnte Microsoft die Aktion wiederholen – konkrete Anzeichen dafür gibt es im Moment allerdings noch nicht.
Hintergrund für die Kritik der Verbraucherschützer und Ärger der Windows-Fans: Windows 7 war am vergangenen Mittwoch bei einem Sonder-Vorverkauf bereits nach wenigen Minuten ausverkauft. Bei einigen Anbietern waren die Online-Shops aufgrund des großen Kundenansturms nicht erreichbar. So gingen viele potenzielle Kunden leer aus.
Nur wenige tausend Lizenzen im Angebot
Was den Verdacht des unlauteren Wettbewerbs nahelegt, sind die sehr geringen Menge der vergünstigten Lizenzen für Windows 7. Den zehn ausgewählten Internet-Händlern standen nur sehr geringe Mengen zur Verfügung. Laut Informationen der Hannoverschen Allgemeine Zeitung hatte beispielsweise Amazon lediglich 1500 Lizenzen im Angebot, andere Shops nur 500. Die deutschen Saturn-Filialen sollen insgesamt 15.000 Lizenzen erhalten haben.
Vista mit Upgrade auf Windows 7
Für Kunden besteht trotzdem die Möglichkeit, Windows 7 vergünstigt zu bestellen: Bestimmte Vista-Versionen werden mit einem Update-Gutschein für Windows 7 geliefert. Damit kostet Windows Vista Home Premium inklusive Windows 7-Upgrade nur 99,90 Euro. Auch die Windows7-Versionen Professional und Ultimate sind über diesen Weg deutlich günstiger erhältlich.